Bürgerbeteiligung standardisiert und erfolgreich meistern

2. Juni 2020
 

Finanzielle Bürgerbeteiligung ist für Onshore Projektentwickler ein wiederkehrendes Thema. Nicht passgenaue Lösungen helfen jedoch in der Praxis meist wenig – weder dem Initiator noch den Bürgern vor Ort. Der nachhaltige Erfolg einer Bürgerbeteiligungsstrategie liegt in der Standardisierung. Doch wie ist der Weg dorthin und welche Punkte sollten unbedingt beachtet werden?

Projektentwickler befinden sich aktuell in einer schwierigen Situation: Die Anzahl der realisierbaren Projekte hat sich erheblich reduziert, teils durch verstärkten Wettbewerb um Flächen, teils durch verzögerte Genehmigungen. Wie adressiert man in diesem Umfeld das Thema finanzielle Bürgerbeteiligung optimal? Angesichts der zunehmenden Widerstände gegen Windprojekte sind Projektierer fast immer gefordert, Bürgern finanzielle Teilhabe anzubieten. Dies wird jedoch nicht immer kostenoptimiert und zum Projekt passend realisiert. Es gibt eine Vielzahl von Beispielen, bei denen das Bürgerbeteiligungsmodell nicht den Erwartungen entspricht, die Realisierung zu kostspielig für den Projektierer ist oder die Nachfrage stark hinter den Erwartungen zurückfällt. Um dies bei zukünftigen Projekten zu vermeiden, muss Bürgerbeteiligung zum indivudualisierbaren Standard werden. So kann ein Projektentwickler das Thema einfach, flexibel und wiederholbar anbieten.

 

Wettbewerbsvorteile und Standardisierung

Oftmals entsteht bereits in früher Planungsphase eines Projektes die Notwendigkeit, Zusicherungen bezüglich Bürgerbeteiligung zu machen. Hier fängt die Herausforderung an. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt oft noch kein konkretes Beteiligungsmodell festgelegt wird, sollten hier bereits Wettbewerbsvorteile bezüglich der Standards und Möglichkeiten signalisiert werden. In dieser Phase bereits klare Strukturen und eine transparente Umsetzung auf Basis einer eigenen digitalen Lösung aufzeigen zu können, zahlt sich aus.

 

Prospektfreie Beteiligungsarten nutzen

Über die letzten Jahre haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für finanzielle Bürgerbeteiligungen stark verändert. Während bei der Erstellung von (BaFin) Verkaufsprospekten die Komplexität zugenommen hat, wurde die Ausgabe von Nachrangdarlehen grundsätzlich auch „prospektpflichtig“. Beteiligungen von Publikums-Kommanditgesellschaften (Prospektpflicht) werden heute vorwiegend noch bei traditionellen Bürgerwindparks genutzt. Daneben sind genossenschaftliche Modelle nur bei bereits vorhandenen, erfahrenen Energiegenossenschaften im Umfeld der geplanten Anlagen sinnvoll.
Mit der Einführung der Prospektpflicht für Nachrangdarlehen hat der Gesetzgeber jedoch auch die sog. Ausnahme für Schwarmfinanzierungen geschaffen. Die Ausgabe von Nachrangdarlehen, partiarischen Darlehen und Genussrechten unterliegt unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Prospektpflicht. Zur Nutzung dieser Ausnahme ist der Vertrieb über eine Internet-Dienstleistungsplattform unter Einhaltung von Betragsgrenzen (Emissionsvolumen pro Gesellschaft max. 6 Mio. EUR p.a., pro Anleger max. 25.000 EUR) notwendig. Gerade die Form Schwarmfinanzierung als Beteiligung hat in den letzten 3 Jahren viel Zuspruch erfahren. Die Gründe hierfür sind insbesondere:

  • Einwerbung unter eigenem Namen möglich
  • keine gesellschaftsrechtliche Beteiligung
  • keine Prospektpflicht
  • niedrige Emissionskosten
  • hohe Flexibilität in der Beteiligungsgestaltung
  • niedrige Mindestbeteiligung möglich
 

Regionale Strukturen beachten

Bei der Wahl des Beteiligungsmodells sollten neben den rechtlichen Möglichkeiten und der operativen Flexibilität auch die regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden. Die nebenstehende Grafik zeigt die in den jeweiligen Regionen dominierenden Modelle für Bürgerbeteiligung.

 

Ausgestaltung und die Frage, wie viele sich beteiligen

Wie ist ein Beteiligungsmodell nun auszugestalten? Attraktive Zinsgestaltung, überschaubare Laufzeiten und Bonifizierungen oder Vorzugsrechte sind wichtige Eckpunkte, die zu berücksichtigen sind. Auch bei optimaler Ausgestaltung bleibt letztlich die Nachfrage der Bürgerbeteiligung vor Ort schwer einschätzbar. Eine Lösung bietet der standardisierte Einsatz qualifizierter Interessensbekundungen. Damit kann transparent und mit hoher Treffsicherheit das spätere Beteiligungsvolumen beziffert werden. In der Praxis können die Bürger im Rahmen einer qualifizierten Onlineabfrage ihren Beteiligungswunsch über eine Projektplattform abgeben. Bei entsprechender Nachfrage und der Realisierung der Bürgerbeteiligung können die Beteiligungswünsche praktischerweise ohne weiteren Aufwand berücksichtigt werden. Auch hier beweist sich der Einsatz eines standardisierten Tools als Schlüssel. So können Kosten und Fehleinschätzungen bereits im Vorfeld vermieden und die Ausgestaltung der Bürgerbeteiligung flexibel den Anforderungen angepasst werden.

 

Was erfolgreiche Bürgerbeteiligung braucht

Einfachheit, Kosteneffizienz und Wiederholbarkeit einer Bürgerbeteiligung lassen sich mit der nötigen Professionalisierung bewerkstelligen. Standardisierte Bürgerbeteiligung hat den Vorteil, dass alle wichtigen Punkte einer Bürgerbeteiligung erfüllt sind:

  • Digitalisierung
  • Transparenz und Zugänglichkeit
  • Umsetzung der Unternehmensstrategie
  • Geringe Emissionskosten
  • Optimale Abschätzung Emissionsvolumen
  • Berücksichtigung regionaler Strukturen
 

Der Weg zur Standardisierung erfolgt über den Einsatz einer eigenen Beteiligungsplattform, die auf die verschiedene Beteiligungsarten, Projekte und Spezifikationen zugeschnitten werden kann. Dies sorgt für die nötige Flexibilität und begünstigt die Wettbewerbsfähigkeit im Markt.